Haie - elegante Räuber der Meere

Es gibt sie rund 400 Millionen Jahre. In dieser langen Zeit haben sich die Haie (Selachii) die unterschiedlichsten Lebensräume erschlossen.

 

Lebensraum

Man findet Sie in küstennahen flachen Gewässern als endemisch vorkommende Arten in Riffzonen, als pelagisch lebende Hochseehaie sowie auch in der Tiefsee. Mancher Hai hat sich derart angepasst, sodass er auch in Flüssen überleben kann. Dazu zählen Flußhaie und auch Bullenhaie.

 

Haie und ihre Beute

Ebenso unterschiedlich wie ihr Lebensraum ist auch die Morphologie der Haie: Der Zwerg-Laternenhai (Etmopterus perryi) mit seinen 16-20 Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von rund 150 Gramm zählt zu den kleinsten Haien während der Walhai (Rhincodon typus) der größte Hai und auch gleichzeitig der größte Fisch des Ozeans. Der friedliche Planktonfresser wird knapp 14 Meter lang - ein wahrer Schulbus unter Wasser, der es auf stolze 12 Tonnen Lebendgewicht bringt, auch wenn er sich im wahrsten Sinne des Wortes kleinstteilig ernährt. Weitere Vertreter der Haie gigantischen Ausmaßes ist einerseits der Riesenhai als auch der Riesenmaulhai. Auch diese beiden Haiarten ernähren sich vorwiegend von Plankton, indem Sie anmutig durch planktonreiche Gewässer streichen und dabei ihr großes Maul weit öffnen, um daraus ihre Nahrung zu filtrieren.

Viele andere Haie ernähren sich von kleineren Fischen mit Ausnahmen weniger großer Haiarten, die sich auch von großen Fischen, kleineren Haiarten oder auch Meeressäugern wie Robben ernähren. So erbeuten große Hammerhaie gelegentlich Stechrochen, Tarpune und andere größere Beutefische.

Bullenhaie und  insbesondere Tigerhaie sind als wahre Allesfresser und „Mülleimer“ der Meere verschrien. Tigerhaie fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Auf Hawai versammeln sich Tigerhaie zu der Zeit, wenn junge Albatrosse flügge werden und ihre ersten Flugversuche oft im Wasser enden. Dort werden sie zur leichten Beute der großen Haie. Ihr spezialisiertes Gebiss ermöglicht Ihnen auch das Zersägen von Schildkrötenpanzern, die sie oft geschickt erbeuten.

Große Weiße Haie sind bekannt für ihre aggressive Jagdstrategie, mit der sie erfolgreich Robben erlegen. Sie orten ihre Beute aus der Tiefe und greifen dann blitzartig mit hohem Tempo an und schleudern die durch die Wucht betäubte Beute dabei weit durch die Luft. Der Weiße Hai lässt die so getroffene Robbe tödlich verwundet im Wasser treiben, bis sie verblutet ist und macht sich normalerweise erst dann an den Verzehr der Tieres. So vermindert er das Risiko, von der Beute unnötig verletzt zu werden.

Haie sind aber, was ihre Nahrung angeht, nicht immer wählerisch und gelegentlich wahre Opportunisten. Sie fressen auch gerne mal Aas. Man findet Sie an treibenden Walkadavern, wo sie sich bei mach grober Rangelei gegenseitig die Beute streitig machen.

Unter Seefahren war insbesondere der Bronze- oder Kupferhai (Carcharhinus brachyurus), englisch: Bronze Whaler, berüchtigt. Er war der erklärte Feind der Walfänger (daher auch der englische Name: Whaler waren Walfänger), da sich an Kadavern kürzlich erlegter Wale Schwärme der flinken Haie zum üppigen Mal einfanden - sehr zum Missfallen der Walfänger, die vergeblich versuchten, die Haie zu vertreiben oder zu töten.

 

Haie und ihre Feinde

Natürliche Feinde haben die Haie nur wenige: Kleinere Haiarten werden gelegentlich von größeren Fischen oder Haiarten gefressen. Gelegentlich kommt innerhalb einer Haiart zu kleineren Rangeleien, wenn es um eine mögliche Rangordnung im Zusammenhang mit dem Fressverhalten oder auch der Umwerbung von paarungswilligen Weibchen geht. Gelegentlich kommt es auch zu Verletzungen - normalerweise nicht lebensdrohlicher Natur.

Weiße Haie fallen seltener den Nachstellungen von Orcas zum Opfer. Da die intelligenten Raubwale koordiniert im Verbund angreifen, ist der Hai zumeist der Unterlegene im ungleichen Kampf. Der größte Feind ist – wer hätte es gedacht – der Mensch. Weltweite Hysterie und Sicherheitswahn sorgen für Hainetze vor den Küsten großer Metropolen am Meer. So sollen Badegäste in "haiverseuchten" Gewässern vor Haien geschützt werden. Viele der Tiere und andere Fische - oft sogar auch Meeresschildkröten und Robben - verheddern sich in den Schutznetzen und ertrinken jämmerlich.

Unzählige Haie verenden als Beifang in Fischernetzen oder an Fangleinen industrialisierter Fischflotten oder enden als fragwürdige Trophäen bei großen Sportfisch-Events. Schlimmer noch für die Bestände der Haie ist die noch immer anhaltende große Nachfrage nach Haiflossen seitens des chinesischen Marktes: Haien werden oftmals bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt (das sogenannte Finning) für die Fischflossensuppe. Jährlich sollen so nach Schätzungen 100 Millionen Haie getötet werden.

 

Morphologie - Körperbau

Haie zählen zur Klasse der Knorpelfische, zu denen auch die Rochen und Chimären gerechnet werden – beides enge Verwandte der Haie.

Rund 500 Arten von Haien verteilen sich über den Ozean. Allen gleich ist der typische torpedoförmige Körperbau. Nur wenige Haiarten weichen von dieser Körperform ab: Dazu zählen der Engelshai, der Teppichhai als auch die Familie der Sägehaie, deren Körperbau stark der der Rochen ähnelt.
Der Körper unterteilt sich in Kopf, Rumpf und Schwanz. Am Kopf des Hais befinden sich alle wichtigen Sinnesorgane, das Maul und die Kiemen. Die meisten Haie haben fünf Kiemenspalten. Einige haben 6 oder sogar sieben Kiemen.

Typisch für Haie ist auch das sogenannte Revolvergebiss: Hinter der vorderen Zahnreihe befinden sich weitere Reihen, die bei Bedarf nachrücken und so verlorene Zähne ersetzen.
Am Rumpf befinden sich die zwei Brustflossen, mit denen der Hai manövriert. Auf dem Rücken findet sich der Sitz der für Haie typischen Rückenflosse, die je nach Haiart näher oder weiter von Kopf entfernt angeordnet ist.

Die Bauchflossen liegen im Übergangsbereich zwischen Rumpf und Schwanz. Bei den Männchen liegen im Bereich der Bauchflossen die Geschlechtsorgane – die Klaspern.

Zum Schwanz hin liegen die zweite Rückenflosse als auch die After- oder Analflossen.
Die Schwanzflossen selbst haben auf die jeweilige Haiart angepasste Ausprägungen: Man unterscheidet langsamere ausdauerndere Schwimmer wie Blauhaie, graue Riffhaie, deren obere Schwanzspitze lang ausläuft und Sprinter: Bei ihnen sind die Schwanzspitzen nahezu gleich lang, was ihnen extrem schnelle aber weniger ausdauernde Sprints ermöglicht. Makohaie, Weiße Haie und Heringshaie zählen hier zu den bekanntesten Haiarten.

 

Die Leber ersetzt die fehlende Schwimmblase

Bemerkenswert ist auch die Methode, mit der Haie ihren Auftrieb steuern. Im Gegensatz zu Fischen besitzen Sie keine Schwimmblase, die ihnen das Tarieren unter Wasser erleichtert. Haie regulieren ihren Auftrieb über ihre ölhaltige Leber – das gelingt aber nicht vergleichbar wie Knochenfischen mit Schwimmblasen und so müssen die meisten Haie ständig in Bewegung bleiben, um nicht ungewollt abzusinken.

Ihre Morphologie und ihr Stützapparat aus Knorpel erlauben Haien eine hohe Wendigkeit sowie ein verringertes Gewicht, was sie zu hervorragenden Schwimmern und Beutegreifern macht. Haie sind extrem gut an ihre Umgebung angepasst. Ihre scharfen Sinne ermöglichen ihnen das Aufspüren von Beute auf große Distanzen.

Sie sind faszinierende Tiere, denen man als Taucher in der Regel gerne unter Wasser begegnet. Sofern sich die Ängste zerstreut haben und man den Tieren mit neutralem Blick begegnet. Anders als in einschlägigen reißerischen Berichten, sind Haie nicht die gefräßigen Monster, zu denen sie oftmals in der Presse und in Filmen hochstilisiert werden.

Ganz im Gegenteil: Sie sind scheue und vorsichtige Raubfische. Die meisten Haiarten gehen beim Anblick eines Tauchers auf Abstand und suchen das Weite. Generell sollte man Haie nicht verklärt betrachten: Es sind und bleiben wilde Raubtiere. Ähnlich wie bei einer Landsafari bewegt man sich im Revier eines Raubtieres- Eine Restrisiko geht von ihnen allemal aus. Jedoch gibt es ein paar einfache Regel, die man für sicheres Haitauchen beachten sollte.

 

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