Pottwale der Azoren - Teil II

Nach dem ersten erfolglosen Tag, für den uns aber Pilotwale und Delfine mehr als entschädigten, sind wir nun ein weiteres Mal unterwegs, dem Pottwal von Angesicht zu Angesicht im Wasser zu begegnen.

Der Himmel ist bewölkt, die See spiegelglatt.
Die Vigias, die azoreanischen Walsichter, haben bereits mehrere Pottwale südöstlich von Madalena beobachtet und so steht der Plan für heute fest. Diesmal unterstützen uns Michael Costas, Mitbegründer bei den CW Azores, und Petra Szlama, Divemaster und Whalewatchingguide, bei unserem Vorhaben.

Michael, ein zudem äußerst erfahrener Skipper, steuert das Boot mit Höchstgeschwindigkeit entlang der Südküste Picos, sodass uns fast der Atem wegbleibt.
Nach einer halben Stunde erreichen wir gegen 8.30 Uhr in der Frühe die ersten Pottwale.
3 Tiere liegen friedlich nebeneinander in der stillen See und machen einen ruhigen, entspannten Eindruck.

Michael versucht, uns vorsichtig an die Tiere heranzubringen. Doch nachdem die Tiere bemerken, dass wir uns ihnen nähern wollen, tauchen sie allesamt ab.
Zum Abschied zeigen sie uns ihre majestätischen Finnen - ein Indiz dafür, dass sie für lange Zeit abtauchen werden.

Petra stoppt die Zeit und registriert den Tauchgang in ihrem Logbuch. Nach der geschätzten Tauchzeit der Wale von ca. einer Stunde, wollen wir es an diesem Platz nochmal versuchen. Dann geschieht erst mal nichts, das Funkgerät schweigt. Die Vigias haben keine anderen Pottwale bisher gesichtet und wir warten ab.


Nach etwa 45 Minuten meldet sich einer der Walsichter und verkündet in südlicher Richtung einen Pottwal. Der Motor springt an und wieder geht es mit Vollspeed der nächsten guten Gelegenheit entgegen.

 

Der erste Kontakt

Nun ist der Wal direkt vor uns, der Bug des Bootes zeigt in Richtung seines Kopfes und vorsichtig geht es ins Wasser. Als ich den Kopf unter Wasser stecke, höre ich die Peillaute des Wales - eine Reihe schnell aufeinanderfolgender, durchdringender Klicklaute - der Wal tastet mich ab, während ich ihn ruhig entgegenschwimme.
Obwohl ich versuche, ruhig zu bleiben, drehen sich im Kopf die Gedanken; sehen kann ich den Wal nicht, aber die andauernden Klicks, die der Wal "sendet", bedeuten mir, dass das Tier in der Nähe schwimmt.

Die Situation flößt mir gehörigen Respekt ein und meine innere Anspannung in Anbetracht der ersten Begegnung mit einem Pottwal im Wasser lässt sich nicht leugnen.
Nach etwa drei Minuten meine ich einen runden Schemen zu entdecken. Ich halte die Kamera hoch, doch gerade als sich die Form des Wales erkennbar abzeichnet, taucht er ab und entschwindet in den Tiefen des Ozeans.
 
Zurück an Bord nehmen wir wieder Fahrt auf und steuern zurück zu dem Punkt, von wo aus die 3 zuvor gesichteten Pottwale abgetaucht sind.  Per Markierung auf der Satelitennavigation wurde zuvor der Punkt vermerkt und dort warten wir wieder.
Doch die Wale tauchen nicht auf - zumindest nicht an dieser Stelle. Und auch das Funkgerät schweigt. Auf Michaels Rückfrage per Funk erfahren wir, dass weitere Walsichtungen ausbleiben.

 

Abbruch

Nach insgesamt 3,5 Stunden beschließen wir, die Expedition für heute abzubrechen - die Aussichten sind eher bescheiden und wir verschieben auf einen anderen Tag.


Neuer Tag, neues Glück

Am nächsten Waltag beschert uns das Wetter beste Sichtverhältnisse. Der Himmel über dem Atlantik ist wolkenlos. Lediglich die Flanken des Picos umspielen Wolkenformationen.

Nach der Überfahrt über den Kanal zwischen Pico und Fayal befinden wir uns heute auf der südöstlichen Seite der Nachbarinsel Fayal. Es sind viele Pottwale vermeldet worden und Michael Costas, Petra und ich nehmen die Fährte auf.


Es dauert kurze Zeit, als wir bereits die ersten Wale entdecken. Aber auch sie haben uns entdeckt und die zwei Tiere tauchen direkt von uns ab. Jedoch ist die Schwanzflosse nicht zu sehen. Die Chancen stehen gut, dass die Tiere in Kürze wieder auftauchen.

Michael fährt einen großen Bogen zur vermuteten Tauchrichtung der Wale, als die Tiere nach einiger Zeit rechts von uns wieder auftauchen - deutlich erkennbar an den lauten Blasgeräuschen und den Blasfontänen. Der Skipper versucht, mich wieder vor den Tieren abzusetzen, als diese nach rechts abdrehen.
Da ich bereits im Wasser bin, lotst mich Petra über Wasser an einen imaginären Punkt, bei dem die Wale und ich im Idealfall unsere Wege kreuzen.

 

Im Wasser mit 2 Walen

Im Wasser sind die Klicklaute der Tiere wieder deutlich hörbar und ich befürchte schon, dass diese auch wieder abtauchen.
Als sie entdecken, dass ich ihnen entgegen schwimme, drehen sie jedoch lediglich weiter ab, um so mit wenig Aufwand Abstand zu mir gewinnen zu können.


Ich bin etwa 15 Meter von dem ersten Wal entfernt - Das Tier ist gut erkennbar, steht jedoch gegen das Licht. Das andere Tier ist nur ein Schatten. Ich halte mit der Kamera drauf und hoffe, ein paar gute Bilder machen zu können.
Dann drehen sie gänzlich ab - immerhin, das war schon mal ein guter Anfang.

Mit dem Boot folgen wir den zwei Walen in gebührendem Abstand, da die Wale weiterhin an der Wasseroberfläche bleiben, aber nach einer Weile und einem weiteren Versuch, uns vorsichtig zu nähern, haben sie genug von uns und tauchen ab - diesmal tief.
Petra vermerkt wieder die Uhrzeit und den Tauchplatz, als das Funkgerät wieder rauscht und der Vigia aufgeregt Walsichtungen meldet.


Weitere Walsichtungen gemeldet

Abermals rasen wir die Küste Fayals entlang in nordöstlicher Richtung. Bestimmt 10 Minuten zieht sich die rasante Fahrt hin. Der Fahrtwind schlägt uns ins Gesicht und die Wellen machen uns zu schaffen.

Endlich deutet Petra in eine bestimmte Richtung - ca. 300 Meter vor uns schwimmen wieder zwei Wale (ob es die beiden von vorhin sind, können wir nicht erkennen, aber die Vermutung liegt nahe). Die beiden Tiere bewegen sich in hoher Geschwindigkeit vor uns her: Im regelmäßigen aber schnellen Rhythmus tauchen Kopf und Flossen an der Wasseroberfläche abwechselnd auf und ab. Dampfausstoßend ziehen die imposanten Tieren im Wasser dahin. Es sieht nicht so aus, als wollten sie sich Zeit für uns nehmen - bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Tiere ein beachtliches Tempo vorlegen.

Wir versuchen, eine optimale Position zu beziehen, von der ich auf die Tiere zuschwimmen kann. Abermals gleite ich ins Wasser und steuere auf die Tiere zu, geleitet von den Direktionen des Skippers. Abermals tauchen die Tiere ab und ich sehe einen Wal unter mir abtauchen.
Ein aufregender Moment, auch wenn ich mir einen anderen Verlauf gewünscht hätte.


Das Spiel geht den ganzen Tag lang so. Die Vigias entdecken viele Wale und ständig preschen wir von einem Sichtungsort zum nächsten.
Es ist beeindruckend, das professionelle Zusammenspiel der Walsichter und der Bootscrew zu verfolgen. Alle leisten einen hervorragenden Job und sind hoch motiviert, den Tag zu einem erfolgreichen Ende zu führen.
Unermüdlich steuern wir im wahrsten Sinne des Wortes unserem Ziel hinterher, gelungene Aufnahmen der Tiere schießen zu können und ich verlebe den großartigsten
Whalewatchingtrip meines Lebens.

Aber von den mehr als 30 Pottwalen, die wir an der Wasseroberfläche entdecken, zeigt kaum einer ernsthafte Ambitionen, für ein gutes Fotomotiv herhalten zu wollen.
Das tut der guten Laune jedoch keinen Abbruch, denn die Erlebnisse und Erfahrungen des Tages bleiben unvergesslich.

Als wir nach über 8 Stunden auf See den Rückweg antreten, ist meine Stimmung trotz der wenigen Fotos, die ich im Wasser machen konnte, ungetrübt.

Beim nächsten Waltag wird es bestimmt klappen, rede ich mir zuversichtlich ein.
Und tatsächlich, meine optimistische Annahme soll sich bewahrheiten.

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