Daedalus Reef

Es ist 5:50 Uhr an Bord unseres Safaribootes. Ein erbarmungsloses Klopfen an der Tür reißt meinen Buddy und mich aus dem Schlaf.

Die vorige Nacht war stürmisch und so war nur in sehr kurzen Zeitfenstern Schlaf möglich - das Schlingern des Schiffes ließ zumindest für mich wenig Raum für erholsamen Schlaf. Während ich mühsam die Augen öffne, gewinne ich die Orientierung zurück; da fällt mir auch der Grund des frühen Weckens ein:

a) Ich bin an Bord eines Safaribootes
b) Wir sind am Daedalus Reef angekommen


Wecken, Zähneputzen und ab ins Wasser

Bei der Erkenntnis huscht ein flüchtiges Lächeln über mein Gesicht, bevor mich die Müdigkeit wieder auf den Boden der Tatsachen bringt. Aufstehen - keine Frage, ein vielversprechender Tauchgang steht an, und den wollen wir nicht verpassen.
Während ich mir noch die Zähne putze, male ich mir Details des anstehenden Tauchgangs aus: Was wird uns erwarten?
Ist das Riff wirklich so spektakulär wie der Ruf, der ihm vorauseilt? Und, das ist mir persönlich fast die bedeutendste Frage: Werden wir den Longimanus sehen?

Ich hoffe, dass der Tauchgang die gewünschten Antworten bietet. Und während ich hastig die Treppe an Deck hoch eile, kommt mir schon Guide Uwe entgegen, der mich freundlich aber bestimmt zur Eile drängt - Zeit für das Briefing.
Der Leuchtturm im MorgengrauenAuf dem Außendeck verschlägt es mir tatsächlich die Sprache: Der berühmte Leuchtturm liegt imposant vor unserem Boot. Das frühe Morgenlicht strahlt das Wahrzeichen des Riffes in diffusem Licht an - in diesem Licht wirkt das Gebäude fast schon unheimlich, zumindest aber äußerst beeindruckend.
Muhamed, der stets freundliche Küchenjunge, kommt mir entgegen und reicht mir Kaffee und Kekse. Mit leeren Magen taucht sich schlecht, denke ich, und spüle die nahezu geschmacksfreien aber zuckersüßen Kekse mit dem starken Instant-Kaffee herunter.

Das Briefing bleibt kurz und bündig und ohne überflüssige Schnörkel. Die Guides erklären Einstieg, Tauchverlauf und den Ausstieg und weisen uns die Stellen an, die besonders viel versprechend sind. Nachdem keine weiteren Fragen auftreten, heißt es ab in die Tauchklamotten, Ausrüstung checken und ab in die gut motorisierten Dinghis.
Es herrscht erstaunlich wenig Seegang und so kommen wir zügig an die Einstiegsstelle heran. Auf den engen Dinghis wird es ein wenig hektisch, als alle gleichzeitig versuchen, Flossen und Masken an den Körperteilen anzubringen, wo sie ihnen später gute Dienste leisten sollen - wir erinnern uns: Die Flossen also über die Füsslinge und die Maske auf den Kopf, nochmal ein Blick auf die Tankflasche des Buddys, ein schneller gegenseitiger Buddycheck - alles ok, und auch meine Kameraausrüstung ist da, wo ich sie haben möchte.


Auf ein Zeichen geht es los

Die Guides blicken zur Vergewisserung in die Runde und geben uns das Zeichen, dass wir bei "3...2...1... LOOOS!!!" uns rückwärts ins Wasser fallen lassen sollen. Nachdem jeder seinen Buddy im Wasser wiedergefunden hat, zeigen alle Buddyteams nochmal das Zeichen für "ok" und dann tauchen wir gespannt und voller Erwartungen ab.
Sofort umschließt uns diese durchdringende Stille, lediglich das Geräusch der aufsteigenden Atemblasen ist zu hören und das Knacken der Myriaden von Meeresbewohnern, die mit ihren Mäuler und Mündern die Oberfläche des Riffs bearbeiten.
Während wir an der Riffwand entlanggleiten, begegnet uns ein großer Schwarm Füsiliere, der uns eine Zeit lang begleitet.
Wir begegnen einem kapitalen Barrakuda, der sich aber bei unserem Anblick schnell an die Wasseroberfläche treiben lässt.
Es vergehen weitere Minuten bis wir das Ende des Riffes umrunden und in all seiner Korallenpracht erstreckt sich nun die Rückseite des Riffes vor unseren Augen. Drei Nachzügler der nächtlichen Jagd preschen vor unseren Augen oder besser gesagt: Vor unseren Atemblasen davon. Leider hatten wir nur wenig Zeit, die grauen Riffhaie näher in Augenschein zu nehmen - aber spannend war die kurze Sichtung dennoch. Wir wenden uns wieder dem Riff zu, bewundern die intakte Unterwasserlandschaft - Gorgonien, Geweih-, Hirn- und zahlreiche andere Hartkorallen deuten an, in welch gutem Zustand sich das Riff befindet. Auch die Weichkorallen leuchten in gesunden roten und orangenen Farbtönen.
Als ich mich meinen Betrachtungen hin gebe, kommt zu meiner linken Seite Unruhe in die Tauchgruppe rein. Einer der Taucher löst sich von der Gruppe und prescht schon davon, während die Guides uns anderen das  Taucherzeichen für Haisichtung geben. Ich schaue in die Richtung, in die beide gezeigt haben, und da entdecke ich die Ursache für die ganze Aufregung:


Longimanus in Sicht!

In sicherem Abstand zieht der ca. 2,80 m große Fisch geradezu majestätisch seine Bahnen und sieht dem aus seiner Sicht eher plump wirkenden hektischen Treiben unter Wasser gelassen zu. Das Fehlen der Klasper identifiziert unseren Fisch als Weibchen und während die "grande Dame" noch entspannt ihre Runden zieht, versuche ich angestrengt und gleichermaßen vorsichtig ein wenig näher zu kommen, um eine geeignete Aufnahme des kapitalen Weibchens machen zu können. Doch der Hai lässt mich nicht heran und vergrößert jedes Mal, wenn ich mich einen Meter herantraue, den Abstand und einen weiteren Meter. So gelingt mir nur eine schlechte Aufnahme aus großem Abstand - aber ich bin glücklich, den ersten Longimanus gesichtet und auf Chip gebannt zu haben - alles andere ist da nur Nebensache.
Noch während ich gebannt auf das Tier starre, zupft mich etwas am Arm - ich schrecke aus meiner kontemplativen Starre hoch...
Uwe, unser Tauchguide signalisiert mir das Ende des Tauchgangs - die gekreuzten Unterarme sprechen für mich in diesem Moment eine gnadenlose Sprache - gerne wäre ich noch eine Weile geblieben, doch auch der Blick auf mein Finimeter bedeutet mir, dass es Zeit ist, den Ausflug unter Wasser langsam zu beenden - 50 bar habe ich noch, also wird es Zeit.
Und immerhin tauchen wir in der Gewissheit auf, mindestens noch einen Tauchgang heute an diesem Riff zu machen - und das auch noch bei besseren Lichtverhältnissen, ich freue mich schon...

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