Malediven - Riff der Mantarochen

Auf dem Nord-Male Atoll gibt es einen Tauchplatz,  der die Beobachtung von Mantarochen nahezu garantiert: Der Manta Point.

Seit einigen Tagen sind wir mit dem Tauchsafariboot Baani Explorer im Süd-Male Atoll unterwegs. Die Tour hat uns bereits einige aufregende Tauchgänge beschert. Seit heute sind wir ins Nord-Male Atoll übergesiedelt und steuern dem Highlight unserer Tauchsafari entgegen. Wenn wir den vollmundigen Verprechungen der Reiseangetur, über die wir den Trip gebucht haben, Glauben schenken dürfen, soll es am "Mantapoint" Mantarochen satt geben. Der Grund der starken Mantapopulation, so wurde uns versichert, liege am hohen Planktongehaltreichtum.
Was den Planktongehalt des Wasser betrifft, so stehen unsere Chancen sehr gut. Unsere bisherigen Tauchgängen waren geprägt von der hohen Sättigung des Meeres mit den organischen Schwebeteilchen.
Zwar sind die Sichtverhältnisse unter Wasser dadurch recht eingeschränkt - zuweilen waren diese derart schlecht, dass unsere Guides sich mehrfach vertauchten und wir die Tauchgänge abbrechen und neu beginnen  mussten. Das nehmen wir alles gerne in Kauf unter der Prämisse, Walhai, Mantarochen und Co. vor die Tauchmasken zu bekommen.


Viel Plankton - viel Manta

Nach einem wie üblich ungewohnt kurzen Briefing von unseren maledivischen Guides, besteigen wir unsere Beiboote - die traditionellen Dhonis mit wenig traditioneller starker Motorisierung. Diese bringen die 2 eingeteilten Tauchgruppen rasch an den Einstiegspunkt. Jetzt springen die Buddy-Teams gemeinsam ins Wasser und treffen sich an der Wasseroberfläche. Nach kurzem ok in der Runde, tauchen alle gemeinsam ab und wir bringen uns langsam auf eine Tiefe von 20 Meter.
Schnell ist erkennbar, dass uns das Glück, was den Nährstoffreichtum unter Wasser angeht, treu bleibt: Abermals sind die Sichtweiten eher dürftig, was uns aber nicht weiter stört.
Für uns liegen für den begonnenenTauchgang beste Voraussetzungen vor!

 

Gegen die Strömung

Wie so oft bei unseren Tauchgängen herrscht Strömung gegen die wir bis zum Spot ankämpfen müssen. Nach 10 Minuten ausdauerndem Paddelns erwischt mich ein Anflug von Ungeduld. Ich verwerfe zugleich meinen Anflug von Ungeduld und freue mich auf ein Treffen mit den eleganten Riesenrochen. Nach weiteren Minuten scheinbar zielloser Flossenschläge bemerke ich aus dem Augenwinkel schemenheft einige sich bewegende dunkle Schatten. Eher beiläufig blicke ich in die Richtung, in der ich die Bewegung meine, wahrgenommen zu haben.

Da trifft mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Aufgeregt und hektisch wie ein Pennäler bei der Einschulung wedle ich mit den Armen, um meinen Buddy auf die dahinziehenden Mantas aufmerksam zu machen. Er träumt jedoch vor sich hin und nimmt meine Aufregung überhaupt nicht wahr. Schließlich gelingt es mir, seinen Arm zu greifen und dann sieht auch er die Tiere, die uns nun mit unbeschreiblicher Leichtigkeit überrunden. Nach wenigen Minuten sehen wir nur noch vage Schemen vor uns, bis diese sich dann gänzlich in dem trüben, planktonreichen Wasser auflösen.

"Das fängt ja gut an", denke ich mir mit einem stummen Lachen. Selbst wenn wir keine weiteren Mantas mehr sehen sollten - mich soll es nicht stören. Der erlebte Eindruck hat sich bereits für  immer in mein Gedächtnis eingebrannt...
Die Hoffnung, dass es dort, wohin die kleine Mantagruppe entschwunden ist, noch weitere Tiere geben mag, gibt uns weiteren Antrieb. Alle in der Tauchgruppe legen einen Zahn zu.

Als wir den Spot erreichen, erreicht uns die Ernüchterung.


Kein Manta weit und breit

Wir liegen nicht allzu tief unter Wasser. In ca. 12 Metern spüren wir die Brandung der Wasseroberfläche deutlich. Wir werden gut durchgeschüttelt, als unsere Guides uns bedeuten, uns eine stabile Position zu suchen. Einige ziehen ihre Riffhaken aus dem Jacket und verzurren sich damit am Riff. Ich habe alle Mühe, mich mit 2 Fingern festzukrallen, doch irgendwann habe ich mich an die Dünung gewöhnt und ich lasse mich von ihr vor- und zurückbewegen und halte mich bei der jeweiligen Amplitude der Wasserbewegung mit aller Kraft am Felsen fest.
Und während alle noch mit sich selbst beschäftigt sind, zieht ein riesiger Schatten fast unbemerkt über mich hinweg: Ein großes Tier mit einer Flügelspannweite von mindestens 3 Metern streift dicht über meinen Kopfvorbei. Deutlich sehe ich die großen Kopflappen des Mantas, die er benutzt, um planktonreiches Wasser durch sein Maul zu schleusen. Ich sehe den mächtigen weißen Bauch, die charakteristischen Kiemenöffnungen durch die das vom Plankton befreite Wasser wieder ausströmt. 

Schon ist der große Verwandte der Haie im trüben Wasser verschwunden, da kommen schon die nächsten Mantas herangeschwebt. Als wäre der Anführer der Gruppe als Vorhut vorausgeschwommen, um die Situation in Augenschein zu nehmen und den anderen zu signalisieren, dass keine Gefahr droht, trauen sich die restlichen großen Rochen nun aus der sicheren Deckung heraus und umkreisen uns neugierig. Als sie Vertrauen fassen, kommen an die 20 Tiere näher und näher, streifen an uns vorbei und über uns hinweg. Wir sind alle völlig aus dem Häuschen.

Das Treiben geht kurzweilige 20 Minuten so und wir könnten sicher noch Stunden hier verweilen. Doch wie so oft ist es die Atemluft, die unseren Tauchgang wieder dem Ende zugehen lässt. Die Nadel des Finimeters kratzt schon unterhalb der 50 Bar Marke. Zwar sind wir immer noch auf nur 12 Metern, also kein Grund zur Sorge. Aber die Guides sind erbarmungslos und geben das Zeichen zum Beenden des Tauchgangs. Was soll's: Sicherheit geht immer vor und wir unterwerfen uns dem viel gepriesenen Dogma der Resignation: Man soll immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Ehrlich: Man muss nicht immer alles schön reden...

Bildergalerie Malediven


AdmirorGallery 4.1.1, author/s Vasiljevski & Kekeljevic.

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