Elphinstone Reef - Südplateau

Es ist 10:30 Uhr in Ägypten, der strahlendblaue Himmel lässt die Schaumkronen des Meeres weiß glänzen.

Die Sonne brennt auf uns herab. Doch der kühle, auffrischende Wind um die Jahreszeit, lässt uns die Wüstenhitze kaum spüren. Ganz im Gegenteil: Im November ist es auf See bereits so unangenehm kühl, dass man die Zeit nicht an Deck - und schon gar nicht in Sonnenanbeter-Outfit - verbringen möchte. Das wird sich auch während der gesamten einwöchigen Tour nicht ändern.

Schade einerseits, bedenkt man, dass wir blass wie die Heringe von der Tour zurück kommen werden. Aber wegen der Sonnenbräune ist hier auch keiner an Bord. Tauchsafari ist angesagt, und das zu einer Zeit, wo sich nur noch wenige Boote in den namhaften Tauchgebieten Ägyptens tummeln.

Das hat den großen Vorteil, dass die großen Fischschwärme und mit ihnen die scheuen Räuber der Meere wieder zurückkehren, da sie zum einen den großen Andrang an Tauchern eher meiden und in der Sommerzeit in tiefere Gefilde abtauchen - zum anderen aber auch wegen der zu hohen Wassertemperaturen des Oberflächenwassers, das dann weniger Sauerstoff und Nährstoffe mit sich führt.


Zuerst Nordplateau, dann das Südplateau

Nach dem ersten Tauchgang am Nordplateau des Riffes erreichen wir nach kurzer Überfahrt die Südspitze, wo die Crew das Boot an den dafür vorgesehenen Tauen festzurrt. Während der Überfahrt haben wir hungrig unser Mittagessen zu uns genommen und nun "frühstücken" wir das Briefing ab. Gewissenhaft weisen uns die Guides auf den Verlauf des Tauchgangs hin und noch während wir den Ausführungen unserer Guides folgen kommt ein aufgeregter Ausruf vom Tauchdeck des Bootes: Eines des Crewmitglieder hat einen Hai im Wasser entdeckt. Alles stürmt an die hintere Reling des Sonnendecks, um eine Blick auf das Tier zu erhaschen. Und da entdecken wir die Silhouette eines Hais im Wasser, der um unser Boot herum schwimmt. Dann taucht er ab und entschwindet aus unserem Sichtfeld.

Unsere Guides, die ihr Briefing noch nicht beendet haben, kommen ihrer Pflicht nach und ziehen gewissenhaft ihr Briefing durch.
Die meisten der Taucher wirken eher abgelenkt und verharren bereits in stehender Position, immer ein Auge auf die Wasseroberfläche gerichtet - nur, falls der schwarze Schatten zurückkommen sollte.


Aufrüsten und fertig machen

Es kommt Bewegung in unsere Truppe. Die Tauchausrüstung wird angelegt und gemäß den Anweisungen unserer Guides werden zwei Gruppen eingeteilt. Diesmal geht es direkt von Tauchdeck ins Wasser - ohne Anfahrt per Dinghie.
Als alle ihre Ausrüstung mit geübten Handgriffen anlegen, kommt der nächste aufgeregte Ausruf: "Longimanus".
Da ist er wieder, unser Schatten.

Unter der sich kräuselnden Wasseroberfläche kann man nur vage die Konturen des Hais ausmachen, deutlich erkennbar sind die typischen weißen Flossenspitzen des Hochseehais.

So weit erkennbar, blicken wir auf ein stattliches Muskelpaket. Das Tier taucht unter dem Boot durch und verschwindet aus unserem Sichtbereich, während sich auf der Backbordseite ein weiterer Schatten nähert: Ein weiteres Exemplar gesellt sich zu uns.

Und auch dieses Tier ist kein kleiner Fisch.
Voller Faszination betrachtet wir mit noch offenen Neoprenanzügen die Haie, die unser Boot umkreisen. Durch das Erscheinen der Tiere, sind unsere Vorbereitungsmaßnahmen jäh unterbrochen worden.

Und auch wenn es keiner zugeben mag, spürt man dennoch ein wenig Anspannung bei der Tauchgruppe - als ob sich jeder der Taucher die gleiche Frage stellt: "Wie werden die Tiere reagieren, wenn ich den Sprung ins Wasser wage?"

 

Ein äußerst neugieriger Longimanus

Die Guides reißen uns aus unserer Lethargie und wir fahren mit dem Anlegen der Ausrüstung fort.
Die erste Gruppe wird aufgerufen und nacheinander springen alle ins Wasser. Ein Blick durch die Maske lässt erkennen, dass die Haie sich ein wenig zurückgezogen haben. Die  platschenden Geräusche scheinen ihnen nicht ganz geheuer. In der Ferne sind sie unter Wasser nur als Schemen erkennbar.

Die Gruppe taucht ab, die 2 Haie nähern sich wieder der Einstiegstelle - verharren jedoch knapp unter der Wasseroberfläche.
Gespannt blicken wir noch eine Zeit lang in die Richtung der Haie und wenden uns dann wieder der südlichen Spitze des Elphinstone Reefs zu, auf das wir, dem Guide folgend,  zusteuern.


Das südliche Plateau ist schon unter uns erkennbar

Auch der südliche Bereich des Riffs scheint voller Leben nur so zu strotzen. Fantastische Korallenformationen wohin das Auge reicht. Wir haben die östliche Riffwand noch nicht erreicht, da entdeckt einer der Taucher abermals einen großen Schemen von links kommend.
Diesmal ist kein Aufschrei zu hören - wir befinden uns in Neptuns Heimat und aus dem durch Mundstück und Wasser dringt kein Laut an den Rest der Gruppe heran. Von der gesamten Gruppe bekommen nur einige das nahe Naturschauspiel mit - der nichts ahnende Rest des Trupps ist bereits vorgeprescht.
Diejenigen, die sich ein wenig zurückfallen ließen, haben nun ihre eigene "Begegnung der dritten Art".
Ein großes Longimanus-Weibchen scheint dem Trupp bereits eine zeitlang unauffällig gefolgt zu sein. An sich eine nicht ganz angenehme Vorstellung - könnte man doch annehmen, dass das Tier sich langsam angepirscht hat.
Und auch jetzt weist das Tier eine auffällig große Neugier für uns vermutlich plump und unbeholfen anmutende Taucher auf.
Nein, respektvoller Abstand sieht eindeutig anders aus und es ist nur eine Armlänge, die uns von dem dahingleitenden Raubtier der Meere trennt. Elegant und nahezu mühelos treibt das Weibchen, dessen kräftige Muskelpakete sich deutlich
an den Körperseiten abzeichnen, an uns vorbei. Die Augen taxieren uns mit großem Interesse - wandern vom einen zum anderen. Und auch wir blicken gebannt auf das Tier, das nun langsam seine Runden um uns zieht.
Wir wagen es nicht, den Blick von dem eleganten Räuber zu lösen, nur um sicher zu gehen, dass das Tier sich nicht noch weiter ans uns annähert - und schon gar nicht unbemerkt. Wahrscheinlich spürt das Tier bereits unsere schnellen Herzschläge - das körpereigene Sicherheitssystem signalisiert Alarmbereitschaft: Der erhöhte Adrenalinspiegel lässt unser Herz schneller schlagen, um größere Mengen Blut durch unseren Organismus pumpen zu können.


Und dann ist der Spuk auch schon vorbei

Wir erreichen die Riffwand des Elphinstone Reefs, unseren taxierenden Verfolger im Schlepptau. Als wir uns schon damit abfinden, dass unser neues "Haustierchen" uns den Rest des Tauchganges Geleitschutz gewährt, scheint es das Interesse an uns zu verlieren. Mühelos beschleunigt das Tier seinen Flossenschlag. Bald sehen wir nur noch einen Schemen, während wir weiter an der Riffwand entlang tauchen, der wir vor lauter Aufregung bisher nicht mit der gebührenden Aufmerksamkeit begegnet sind.
Zu aufreibend waren die Eindrücke des soeben Erlebten und immer wieder wenden wir noch den Blick in die Richtung, in die der Hai entschwunden ist; teils in der Hoffnung, das Tier kehrt zurück, teilweise aber auch um sicherzustellen, dass sich der große Hai nicht wieder unbemerkt anpirscht wie bereits zu Beginn des Tauchgangs.
Nach einer Weile gelangt unsere Gruppe zu der Erkenntnis, dass der Hai uns nicht mehr die Ehre erweist. Wir wenden uns endgültig der Schönheit des Riffes zu.

Immer wieder werden die schönen Steinkorallen vom grellen Orange der hier anzutreffenden Weichkorallenbäumchen durchbrochen. Erst jetzt erschließt sich uns die ganze Pracht des östlichen Riffwand. Kaum werden wir dieser gewahr, als uns schon der "abgespaltene" Teil unsere Gruppe wieder entgegenkommt. Die zwei Buddy-Teams zuzügllich Guide waren soweit vor uns, dass sie von unserer Begegnung anscheinend nichts mitbekommen haben.
Der Guide signalisiert uns, dass wir wieder zum Boot zurücktauchen.

 

Am Boot die nächste Überraschung

Der Rückweg gehört dem Riff und seinen Bewohnern, die sich in unbeschreiblicher Vielfalt darauf und darin tummeln. Straßenkehrer, Fahnenbarsche, Zackenbarsche, Meeresbarben und verschiedene schnapperarten säumen unseren Weg zurück zum Boot - wir tauchen in einer atemberaubenden Kulisse. Sanft neigt sich das Plateau, über das wir nun wieder hinwegtauchen, hinab in die Tiefe. Wir tauchen ganz langsam in flachere Bereiche. Die Finnimeter kratzen an der 50bar-Marke, als wir den Rumpf unseres Bootes erkennen.
Schnell wenden wir uns wieder dem dahin schwindenden Riff zu und als die Blicke der Gruppe sich wieder zum Boot wenden, trifft uns die Erkenntnis wie ein Schlag:
Die beiden Hochseehaie zu Beginn des Tauchganges sind noch immer da und ziehen ihre Runden um das Boot. Nach genauem Hinsehen stellen wir fest - es sind nicht nur 2 Haie: Inzwischen haben sich 3 weitere hinzugesellt. Wir sind völlig perplex - was für ein Schauspiel.
Die Luft in den Tanks neigt sich dem Ende zu und die Gruppe schaut zur Wasseroberfläche, wo sich die 5 Haie an der Wasseroberfläche rund um das Boot verteilen und ihre Bahnen ziehen. Wie gerne würden wir dem Schauspiel noch beiwohnen und so treten wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge unseren Sicherheitsstop an. Es bleiben uns noch 3 Minuten, in denen wir dem Treiben zuschauen können. Dann kommt das Signal zum Abbruch - die zwei gekreuzten Arme des Guides besiegeln das Ende des Tauchganges und fast schon schweren Herzens beenden wir einen unvergesslichen Tauchgang.

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