Philippinen - Negros - Car Wreck

Rein äußerlich betrachtet, scheint der nahe Dauin auf Negros gelegene Tauchplatz "Car Wreck" alles andere als einladend.

Der braune Lavastrand und die trüben Sichtverhältnisse erinnern eher an Taucherlebnisse in heimischen Gewässern als an die in klaren, smaragdgrünen Gewässern tropischer Länder. Doch der Schein trügt.

Bereits nach wenigen Minuten erreichen wir an Bord einer Bangka - dem traditionellen philippinischem Auslegerboot - den Tauchspot "Car Wreck". Auch an Ort und Stelle ist nicht erkennbar, was für ein besonderer Ort uns laut vorangegangenem Briefing zu Füßen liegt.
Nach dem Sprung ins Wasser tauchen wir direkt ab und erreichen nach wenigen Metern sandigen Untergrund. Bei 7 Metern Tiefe tauchen wir in östlicher Richtung den sanften sandigen Abhang hinunter.

 

"Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!"

Das ungeschulte Auge sieht zunächst einmal nichts... Sand, wohin das Auge reicht. Hie und da ein paar traurige Reste Zivilisationsmüll; das Repertoire reicht von Plastiktüten über Reste von Autoreifen bis hin zu Undefinierbarem.
Nach circa 10 Minuten stoßen wir auf eine Gorgonie - mitten in dieser trostlos und vermeintlich tot wirkenden Landschaft wirkt sie fast deplatziert. Schützend umrankt sie mit ihren "Ästen" eine Gruppe Schnepfenfische.


Dahinter durchforstet einer der Guides einen undefinierbaren Block "Irgendwas" mit braun-grünem Bewuchs und als er die Gruppe aufgeregt herbeiwinkt, präsentiert er stolz einen Clown-Frogfisch: Alles andere ein Gigant der Meere mit seinen mickrigen Ausmaßen von nicht einmal 1,5 Zentimetern.

Und wie es dann der Zufall es will, entdecken wir in unmittelbarer Nähe dieses räuberischen Zwerges einen weiteren Miniaturprädator des Ozeans: Gut getarnt in den braunen Tönen eines verrottenden Pflanzenblattes verharrt ein Kakadu Schaukelfisch regungslos auf sandigem Untergrund. Meine Tauchbrille gräbt sich fast in den sandigen Untergrund - so nah muss ich ran, bis ich endlich dieses seltsame Meereslebewesen entdecke.


Das Besondere liegt im Detail

Auf ca. 18 Meter Tiefe streift uns eine Schule von Gelbstreifenschnappern während wir weiter den sandigen Abhang entlangtauchen. Und so langsam festigt sich die Erkenntnis: Dieser Ort ist etwas ganz Besonderes. Fast überall, wo man genauer hinsieht, strotzt es hier nur so vor Leben.
Winzige, durchsichtige Fischlarven durchstreifen den sandigen Boden, auf ihrer Fährte überall kaum größere Beutegreifer. Im Sand kaum erkennbar trifft man an vielen Stellen sehr gut getarnte Fangschreckenkrebse.
An anderer Stelle verharrt ein seltsamer Fisch mit großen Augen regungslos im Sand eingegraben und wartet auf unvorsichtige Beute.
Wenige Meter daneben tut es ihm ein besonders bunt gemusterter Schlangenaal gleich. Im Schutz einer Sandanemone bietet eine Geistergarnele ihre Dienste als Parasitenbeseitiger an.


Erst Müll, dann Staunen

Auf 23 Meter stoßen wir wieder auf eine merkwürdige Formation, die einem Konglomerat aus Müll, Korallen, Algen und Moos gleicht. Doch die erhöhte Aufmerksamkeit, die der Guide diesem Platz entgegenbringt - seine energische und angestrengte Suche, treiben die Spannung bei den Anwesenden in die Höhe. Schon hat er das gefunden, was er zuvor offensichtlich gesucht hat: Eine Seenadel mit fetzen- und höckerartigen Fortsätzen, die die gesamte Gruppe in stummes Staunen versetzt. In direkter Nachbarschaft sitzt ein nicht minder skurriler Krebs in Seealgengrünem Kostüm und derartig gut getarnt, dass er nur schwer von seiner Umgebung abzugrenzen ist.
Daneben tront ein winziger Steinfisch auf einer Koralle, der anders als seine großen Artgenossen, eher wie ein scheuer Beutefisch wirkt als wie ein Räuber.

Ungläubig schüttele ich den Kopf beim Anblich der fremdartigen Wesen und komme wir ein wenig vor wie Alice im Wunderland. Als wir dann weitertauchen, geht es von hier aus wieder in nordwestlicher Richtung den Hang hinauf in Richtung Autowrack, dem Namensstifter dieses Tauchplatzes.
An sich nicht wirklich aufregend, glänzt das Wrack aber mit üppigen Bewuchs und sticht strotzend vor Farbe und Leben aus dieser eher trostlos und karg wirkenden Umgebung hervor.
Auch hier explodiert das Leben, größere Lebewesen finden suchen Schutz und Zuflucht, andere suchen entsprechend Beute und so ist hier rund um das Wrack ein weiterer Mikrokosmos entstanden, der viel Wundersames beherbergt.
Eine kleine Gruppe Katzenwelse durchstöbert den Boden mit seinen Barteln nach Beute.



Maulbrüter tragen ihre Eier in ihrem Maul, und während sie Wasser durch ihre Kiemen pumpen, kann man einen kurzen Blick auf ihre Brut erhaschen.
Und auch einige Feuerfische warten auf die richtige Gelegenheit. Und dann entdecken wir nochmal ein echtes Highlight: Einen wunderschön gelb gezeichneter Schaukelfisch verharrt regungslos, um im richtigen Moment blitzschnell zuzuschnappen.

 

Das Beste kommt immer zum Schluss!

Wir kehren dem Platz den Rücken und tauchen weiter in flachere Gewässer. Beim Austauchen entdecken wir zahlreiche Sandaale, die sich weit aus ihren sandigen Höhlen recken.

Und am Boden, kurz bevor wir uns zum Safety-Stop aufmachen, entdecken wir dann noch - frei nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss - eine Prachtsepia.
Als sie uns entdeckt, wirft das Tier Alarmsystem an und die schillernden Farben des Kopffüßlers changieren in Wellen über den gesamten Körper.
Kopf und Glieder des Tieres explodieren in Violett- und Gelbtönen.

 

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