Was Taucher vor ihrem ersten Tauchgang wissen sollten – Gastbeitrag von Jannik Reisberg
Protea Banks vor der Küste von Shelly Beach in KwaZulu-Natal zählt zu den bekanntesten Haitauchplätzen der Welt. Trotzdem existieren im deutschsprachigen Raum bislang nur wenige aktuelle Erfahrungsberichte über dieses Tauchgebiet. Nachdem ich 2025 erstmals dort tauchte und seitdem mehrfach zurückkehrte, möchte ich vor allem die praktischen Aspekte vorstellen, die ich selbst als besonders wichtig empfunden habe.
Kein Tauchplatz für Einsteiger
Protea Banks liegt rund zehn Kilometer vor der Küste im offenen Indischen Ozean. Bereits die Anfahrt macht deutlich, dass dieser Tauchplatz Erfahrung voraussetzt. Die Ausfahrt erfolgt mit einem Schlauchboot durch die Brandungszone. Je nach Wind und Wellengang kann diese durchaus anspruchsvoll sein und ist für viele Taucher bereits ein Teil des Erlebnisses.
Aus meiner Sicht ist die Voraussetzung Advanced Open Water Diver sinnvoll.
Nicht wegen der Haie, sondern weil Offshore-Tauchgänge, größere Tiefen und mögliche Strömungen eine sichere Tarierung und Routine unter Wasser voraussetzen. Wer sich unter Wasser vollständig auf seine Ausrüstung konzentrieren muss, wird die Begegnungen mit den Tieren kaum genießen können.
Drift Diving im Freiwasser
Die Tauchgänge finden überwiegend als Drift Dives statt. Das Riff liegt je nach Tauchplatz in Tiefen von etwa 30 bis 40 Metern und fällt stellenweise weiter ab. Dadurch spielen Gasmanagement, Tiefenüberwachung und die Einhaltung des Briefings eine zentrale Rolle.
Strömungen gehören zu Protea Banks dazu. An manchen Tagen sind sie kaum wahrnehmbar, an anderen deutlich stärker. Deshalb entscheidet die Basis täglich anhand der Bedingungen, welche Bereiche sicher betaucht werden können. Genau aus diesem Grund sollte man die lokalen Briefings aufmerksam verfolgen und den Anweisungen der Guides konsequent folgen.
Welche Haiarten sind zu erwarten?
Protea Banks gehört zu den wenigen Tauchplätzen weltweit, an denen regelmäßig mehrere Großhaiarten beobachtet werden können.
Zu den häufigsten Begegnungen zählen Bullenhaie (Carcharhinus leucas), Schwarzspitzenhaie (Carcharhinus limbatus) und Sandtigerhaie (Carcharias taurus).
Je nach Jahreszeit bestehen außerdem Chancen auf Schulen von Hammerhaie (Sphyrna lewini & Sphyrna mokarran) und einzelne Tigerhaie (Galeocerdo cuvier).
Welche Arten tatsächlich erscheinen, lässt sich jedoch nie garantieren – genau das macht für mich den Reiz dieses Tauchplatzes aus.

Während einer meiner ersten Tauchgänge musste ich irgendwann einfach lachen: „Links zog ein Bullenhai vorbei, rechts kreisten Ocean Blacktips und plötzlich erschien eine ganze Schule Bogenstirn-Hammerhaie aus dem Blau. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen sollte. Es folgte eine grosse Gruppe an Delfinen (Tursiops): rund 20 Tiere auf 20 m Wassertiefe.“
Diese hohe Dichte an Begegnungen hatte ich zuvor selbst an anderen bekannten Haitauchplätzen nur selten erlebt.

Was ist ein „Scented Dive“?
Ein Teil der angebotenen Haitauchgänge wird als Scented Dive durchgeführt – dabei werden keine Haie gefüttert. Stattdessen wird ein Duftstoff – üblicherweise auf Fischbasis – ins Wasser eingebracht, um Haie aus der Umgebung neugierig zu machen und sie näher an den Tauchplatz zu führen.
Ziel ist es, natürliche Beobachtungen aus kurzer Distanz zu ermöglichen, ohne die Tiere mit Futter zu belohnen.
Vor jedem dieser Tauchgänge erfolgt ein ausführliches Briefing über Positionierung, Verhalten und Sicherheitsregeln.
Sicherheit steht an erster Stelle
Obwohl Protea Banks vor allem wegen der Haie bekannt ist, empfand ich nicht die Tiere als größte Herausforderung. Entscheidend sind vielmehr die typischen Bedingungen eines Offshore-Tauchplatzes: Bootsausfahrt, mögliche Strömungen, Tiefe und Freiwasser.
Aus meiner Erfahrung sind deshalb drei Punkte besonders wichtig:
- das Briefing konsequent umsetzen
- nur mit ausreichender Taucherfahrung teilnehmen
- den Guide jederzeit im Blick behalten

Wer diese Grundregeln beherzigt, kann sich ganz auf das konzentrieren, weshalb die meisten Taucher nach Protea Banks reisen: die Beobachtung freilebender Haie.
Für mich endet das Erlebnis nicht mit dem Auftauchen. Nach den Tauchgängen trifft man sich häufig mit den anderen Tauchern auf der Basis und tauscht die Eindrücke des Tages aus. Erstaunlich ist dabei, dass jeder denselben Tauchgang erlebt hat – und dennoch jeder andere Begegnungen schildert.
Die Region bietet darüber hinaus weit mehr als Tauchen. Viele Reisende verbinden ihre Tauchtage mit Safaris oder weiteren Ausflügen in KwaZulu-Natal. Genau diese Kombination macht die Region für mich besonders attraktiv.
Fazit
Nach über zwanzig Jahren Taucherfahrung und vielen Reisen zu bekannten Haitauchplätzen weltweit hat mich Protea Banks vor allem durch die Kombination aus Offshore-Tauchen, Artenvielfalt und intensiven Beobachtungen beeindruckt.
Wer bereits Erfahrung mit tieferen Freiwasser-Tauchgängen besitzt, sorgfältig auf das Briefing hört und Haien mit Respekt begegnet, findet hier einen der faszinierendsten Haitauchplätze, die ich bislang erleben durfte.
Der Autor

Jannik Reisberg
PADI Divemaster – Autor – HaischützerJannik Reisberg ist PADI Divemaster und Autor des autobiografischen Reiseberichts „Gefühlsachterbahn – 422 Tage, 27 Länder, 6 Kontinente“. Seine Tauchausbildung begann vor über 20 Jahren in Deutschland mit dem CMAS*-Brevet in den Talsperren Nordrhein-Westfalens und in der Nordsee. Während seiner Weltreise absolvierte er 2018 den PADI Advanced Open Water Diver in Thailand. 2023 folgten in Mahahual (Mexiko) der PADI Rescue Diver sowie die Enriched Air (Nitrox)-Zertifizierung. 2024 schloss er seine Ausbildung mit dem PADI Divemaster in Tofo (Mosambik) ab. Durch mehrmonatige Aufenthalte in Südafrika & Namibia entwickelte er eine enge Verbindung zum südlichen Afrika. Seit 2025 reist er regelmäßig nach Protea Banks, engagiert sich bei Sharkvoice für den Schutz unserer Haie und ist deutschsprachiger Ansprechpartner von Dive In Adventure Tours in Südafrika. Seine Verbindung zu Dive In Adventure Tours wird aus Gründen der Transparenz offengelegt.


