Hexenjagd auf den Weißen Hai

Es ist eine echte Tragödie – In wenigen Monaten kommen vor der Westküste Australiens 5 Menschen durch Haiunfälle ums Leben.

Noch vor kurzem reagierte die Australische Regierung auf einen ähnlichen Vorfall, bei dem ein Taucher durch einen Unfall mit einem Weißen Hai ums Leben kam, mit Gelassenheit und  lehnte ein ausgedehntes Jagdprogramm schlichtweg ab. Doch die Menschen geraten zusehends in Panik und der Druck der Öffentlichkeit auf die Regierung wächst und zeigt seine Wirkung – zum großen Nachteil der Haie.

Und so verwundert es nicht weiter, dass bereits das Fischereiministerium prüft, ob das Jagdverbot gegen den Weißen Hai in Australien aufgehoben werden soll – die Zahl der Attacken, so die zuständigen Regierungsvertreter, sei derart hoch, dass nun gehandelt werden müsse.

Eine weitere Tragödie ausgelöst durch eine mögliche Entscheidung der Regierung gegen den Naturschutz.

Begründete Schutzregularien nun aufgehoben?

Nicht ohne Grund sind und waren die großen Weißen Haie bisher unter Schutz gestellt: Die Population der stattlichen Meeresräuber ist stark bedroht und wenn die einzige Möglichkeit, der Situation Herr zu werden, darin besteht, die Tiere gänzlich auszurotten, so dürfte dieses hehre Ziel in greifbare Nähe rücken.

Ob das eine Lösung für die Problematik bedeutet: Sicher, denn wo keine Haie, da auch kein Unfall.

Jedoch ist in vielen Fällen fraglich, welche Haiart den Unfall wirklich verursacht hat. Oftmals mangelt es an Zeugenaussagen und die identifizierten Bissspuren werden von den zuständigen Gerichtsmedizinern und anderen Sachverständigen oftmals aufgrund mangelnder Fachkenntnis falsch gedeutet.
Ebenso fragwürdig ist auch die viel zitierte Theorie des „wiederkehrenden Hais“, den es immer wieder an den Ort des Geschehens zurückzieht, um abermals medienwirksam zuzuschlagen.

Es ist immer noch viel zu wenig bekannt über die Tiere. Man weiß nur, dass die Tiere große Wanderrouten haben, was die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholungstat nahezu unmöglich macht.

Redaktionstipp

Der legendäre Filmemacher und Haifreund Rob Stewart hat mit seinem Doku-Drama „Sharkwater“ über das Thema Haimafia für weltweite Aufmerksamkeit geschaffen. Der Film belegt mit drastischen Bilder, welchen enormen Schaden Profitgier und Hai-Mafia im Ökosystem Meer anrichten. Eine spannende und aufregende Reportage, die den Hai ins richtige Licht rückt und auf die Gefahren einer aussterbenden Fischart hinweisen. Weitere Infos zum Film: Sharkwater [Blu-ray]

Die Annahme, die Wurzel des Übels dadurch ziehen zu können, dass man dem großen Räuber nachstellt und versucht, ihn von den Küsten fernzuhalten, kommt einer archaisch anmutenden Hexenjagd gleich.

Derartige Reaktionen würde man nicht von einer aufgeklärten  Nation wie Australien erwarten. Und doch geschieht es.
Es erinnert einen an mittelalterliche Schauprozesse, in denen Wildtiere wie Wölfe und Katzen des Paktierens mit dem Teufel beschuldigt, verhört, vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. Kaum zu glauben, aber das gab es wirklich. Und doch fällt der Glaube daran in Anbetracht der geradezu hinterwäldlerischen sinnlosen Tötungsaktionen nicht wirklich schwer.

Und auch der nächste Wahlkampf steht sicher auch in Australien irgendwann wieder vor der Tür. Und so ist es sicherlich ratsam, in Aktionismus zu verfallen, frei nach dem Motto: „Wir tun was!“ – zur Not auch gegen Haie und Umweltschutz.
Die Hai-Lobby scheint alles andere als stark und populär und so zieht auch niemand die Folgen für die Natur ernsthaft in Betracht: Was es bedeutet, wenn die Spitze der Nahrungskette der Ozeane gekappt wird, scheint niemanden zu interessieren noch zu berücksichtigen. Dabei zeigen inzwischen bereits anerkannte Studien die Zusammenhänge zwischen Haisterben und Klimawandel auf.

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